Wasser - Projekt 6


Umfahrung Sins

Adrian Schön Projektleiter, Baumeler Leitungsbau AG, Perlen

Die Abteilung Tiefbau des Kantons Aargau plante seit 2018 die Umfahrung der Gemeinde Sins, um den Durchgangsverkehr über deren Süd- und Westseite zu lenken und so das Zentrum zu entlasten. Daraus ergab sich für Arnold «Baumeler Leitungsbau AG Wasser» der Auftrag für die Verlegung und den Anschluss von zahlreichen Wasserleitungen.

Ein solches Projekt will gut geplant sein, weshalb die Dauer vom Einreichen des Angebots beim Baumeister des beauftragten Baukonsortiums bis zum Zuschlag im Jahr 2020 rund zwei Jahre betrug. Im Mai 2020 begann Arnold mit den Umsetzungsarbeiten. Zur Umfahrung Sins gehörte der Bau eines 912 m langen Tunnels, für dessen Gewölbe das Baukonsortium bereits im Spätjahr 2019 eine Schneise ins umliegende Kulturland gegraben und dazu mehr als 130’000 Kubikmeter Aushub abgetragen hatte. In einem ersten Schritt erstellte das Baumeler Wasser-Team die Löschwasserleitung im 912 m langen Tunnel, verlegte die Trinkwasserleitung ausserhalb des Tunnels in den neuen Strassen und schloss die beiden Leitungen zusammen. Es waren stets drei bis vier Mitarbeitende vom Baumeler Wasser-Team anwesend, welche im Dreischichtenbetrieb im Einsatz waren. Morgens um 5 Uhr begann jeweils die erste Schicht, während die letzte abends um 22 Uhr endete. Für diese späten Arbeiten wurde sogar eine Sonderbewilligung benötigt. Bei einem solchen Projekt ist es wichtig, dass die Zusammenarbeit mit allen Parteien auch in hektischen Momenten sehr gut funktioniert, vor allem da der Tunnel zu einem bestimmten Zeitpunkt zwingend fertiggestellt sein musste. Die an den Tunnel anschliessende Strasse hob der Baumeister aus und tätigte einige Anpassungsarbeiten an der Kanalisation. Baumeler Wasser-Team verlegte, nachdem dies abgeschlossen war, eine neue 125er PE Wasserleitung. Zwischenzeitlich führte Arnold immer wieder Teilprüfungen durch und überprüfte den Druck auf den gelegten Rohren, bevor Zusammenschlüsse getätigt und verschweisst wurden.

Fun Facts:

Bei Arbeiten in der Kanalisation kann es auch zu Zwischenfällen kommen. In diesem Fall musste Arnold die Leitung stilllegen und auf die Schnelle das Kanalrohr mit einem Durchmesser von 630 mm mit einem Druckballon abdichten, um dem Baumeister die Arbeiten im Kanalschacht zu ermöglichen. Nachdem dieser seine Aufgaben erledigt hatte, wurden das Rohr und der Luftballon entfernt. Der abfallende Druck liess den Inhalt des Kanalrohrs überschwappen und bescherte den Anwesenden Geruchsimmissionen.

Zusätzlich zu den Tunnelarbeiten kam der Bau einer Brücke hinzu, welche den neuen Umfahrungstunnel mit dem Verkehrskreisel Bachtal verbindet. Diese Brücke wurde schon Ende 2020 fertiggestellt. An der Unterseite der 70 m langen Brücke verlaufen Doppelwandrohre des Typs 400x250. Dies bedeutet, dass das Aussenrohr 400 mm im Durchmesser misst und das Innenrohr 250 mm. Das Aussenrohr hat eine Wanddicke von 22.7 mm. Bei letzterem handelt es sich um ein geschäumtes PE-Rohr, kurz für Polyethylen-Rohr, mit 10 mm Wanddicke, welches in der Mitte ausgeschäumt wird. Die Wanddicke des Innen- und Aussenrohrs ist abhängig vom Wasserdruck, welcher darauf ausgeübt wird. Im Vergleich zu den häufigen 10 – 12 Bar in Wasserleitungen sind 16 Bar der Doppelwandrohre unter der Brücke ein hoher Wasserdruck, der durch die Schläge auf die Rohre entsteht, die die Wasserpumpe verursacht. Für ein Gusseisenrohr wäre solch ein Druck kein Problem, da es bis zu 100 Bar standhält. Allerdings hat Gusseisen den Nachteil, dass es vom Material her sehr schwer ist und sich daher nicht für den Einsatz bei einem Tragwerk eignet. Deshalb wurden Rohre aus leichtem Polyethylen-Kunststoff verwendet, welche dank der Ausschäumung überdies auch druckbeständig sind. Unter einer Brücke kann es zu starken Temperaturschwankungen kommen, und vor allem im Sommer dehnen sich Kunststoffrohre aufgrund der Wärme aus, was die Stabilität der Brücke gefährdet. Um dem entgegenzuwirken, baute das Baumeler Wasser-Team anstelle von Kompensatoren, welche bei Druck auseinandergehen, Stabilisatoren ein. Während der Arbeiten herrschten zum Glück immer kalte Temperaturen, wodurch sich die PE-Rohre versteiften und deren Verlegung nicht unnötig erschwerten. Nebst den Wasserleitungen haben die Mitarbeiter von Arnold auch die Stromleitungen unter der Brücke gezogen und geschweisst. Ausstehend ist noch die obere Überlandanbindung der Wasserleitung an der Brücke. Bei den Löschhydranten konnte vom Hersteller vonRoll zu Hinni-Hydranten gewechselt werden, welche mit Doppelabsperrventilen ausgestattet sind, aber erst noch gesetzt und in Betrieb genommen werden müssen. Das Gesamtprojekt Umfahrung Sins wird für Arnold voraussichtlich noch bis Ende 2021 dauern und unter anderem die genannten Arbeiten umfassen.

Teilen Sie diesen Artikel

Das könnte Sie auch interessieren

Arnold-Gruppe

Fokusthema «e-Mobilität»